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Keine Kohle für die Kohle - Kohleausstieg in Rostock ab 2025

Klimaaktivist:innen installieren Banner vor Rostocker Rathaus

Rostock, 03. März 2020.
Klimaaktivist:innen von Ende Gelände Rostock und Extinction Rebellion (XR) Rostock installierten in der Nacht vom 2. auf den 3. März 2020 ein Banner vor dem Rathaus. Mit einer Kletteraktion wurde das 5m mal 1,20m messende Banner zwischen zwei Laternenpfählen auf ca. 7m Höhe angebracht. Auf der Vorderseite steht „Keine Kohle für die Kohle!“, auf der Rückseite „Keine Verlängerung!“ mit einem stilisierten Kraftwerk daneben. Das Banner soll die Rostocker:innen und die Lokalpolitik für die Möglichkeit eines lokalen Kohleausstiegs sensibilisieren.

Die Verträge zur Abnahme von Fernwärme aus dem Rostocker Kohlekraftwerk laufen 2025 aus, es steht eine mögliche Verlängerung über 2030 hinaus im Raum. Die Rostocker Ortsgruppen von Ende Gelände und Extinction Rebellion fordern, dass die Stadt den Vertrag auslaufen lassen und stattdessen auf erneuerbare Energiequellen setzen soll.

Max Knospe (30) von Extinction Rebellion: „Kohlekraft ist eine ökologische Katastrophe. Wir müssen Klimaschutzmaßnahmen wie den Kohleausstieg konsequent und zügig umsetzen, wenn wir eine Zukunft auf diesem Planeten möchten.“

Rocko Allwerth (34) von Ende Gelände ergänzt: „Die Steinkohle, die im Rostocker Kraftwerk verbrannt wird, wird unter desaströsen Bedingungen für Mensch und Umwelt abgebaut. Die Energieversorgung muss stattdessen unter eine demokratische Kontrolle durch Beschäftigte und Nutzende gestellt werden.“

Die Hintergründe
Rund die Hälfte der weltweiten CO2-Emissionen stammen aus der Verbrennung von Kohle. Diese Emissionen treiben die Erhitzung des Planeten immer schneller voran. Die globale Erwärmung zeitigt bereits heute drastische Konsequenzen, zum Beispiel begünstigt sie die gewaltigen Brände in Australien. Dennoch planen die australische Regierung und der Konzern Adani unter Mithilfe von Siemens den Bau einer riesige Kohlemine, die den globalen Ausstoß von Treibhausgasen weiter steigern wird.

An der Klimaerwärmung hat auch Deutschland als das weltweit größte Förderland von Braunkohle einen erheblichen Anteil. Allen Forderungen nach einem Ausstieg aus der Kohleverstromung zum Trotz, werden in Deutschland weiterhin Dörfer geräumt, um neue Tagebauflächen zu erschließen – am Hambacher Forst und anderswo. Trotz des von der Bundesregierung angekündigten Kohleausstiegs im Jahr 2038 erlaubte der Bundestag dem Energieriesen Uniper sogar, das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 bis zum Sommer 2020 ans Netz zu bringen – ein Schritt der mit den Klimaschutzzielen der Bundesrepublik nicht vereinbar ist.

Die Situation in Rostock
Auch Rostock setzt bei seiner Energieversorgung auf fossile Energieträger. Das Kohlekraftwerk am Ostrand der Stadt ist bei den jährlichen Kohlendioxidemissionen mit 2,32 Mio Tonnen auf Platz 11 von 42 aller in einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts erfassten Steinkohlekraftwerke in Deutschland.

In dem von EnBW und Rheinenergie betriebenen Kohlekraftwerk wird Steinkohle aus den USA und Russland verbrannt. Für die Kohlegewinnung werden im russischen Kuzbass indigene Völker von ihrem Land vertrieben und die Natur verseucht. Diese Kohle abzunehmen und zu nutzen bedeutet, Menschenrechtsverletzungen in Kauf zu nehmen und mitzuverantworten.

Mit dem Auslaufen der Verträge der Rostocker Stadtwerke zur Abnahme von Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk 2025 bietet sich eine Gelegenheit die Rostocker Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen. Bereits im Dezember 2019 forderten Rostocker Klimaaktivist:innen von Rostock for Future, Ende Gelände und Extinction Rebellion:

  • Keine Verlängerung des Vertrags zur Abnahme von Fernwärme aus dem Kohlekraftwerk
  • Eine konsequente Nutzung erneuerbarer Energiequellen
  • Keine Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen mehr ab spätestens 2025
  • Eine Bereitstellung von Fernwärme ausschließlich aus erneuerbaren Energiequellen ab spätestens 2035

Reaktionen der Rostocker Lokalpolitik blieben bislang aus. Zügiges Handeln ist jedoch dringender denn je, denn die Zeit drängt, wie die weltweit und lokal zu beobachtenden Folgen der Klimaerwärmung eindringlich deutlich machen.

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Kommentare

  1. Im Marketing und Businesstalk wird jeweils nur auf die erzeugte Menge an elektrischer (bzw. in Rostock noch thermischer) Energie solcher Kraftwerke verwiesen. Was wohlweislich verschwiegen wird, sind die Tonnen an klima- und umweltschädlichen Schadstoffen, die völlig gesetzeskonform in die Umwelt gehen:

    Jahresbetriebsbilanz Steinkohlekraftwerk Rostock 2017

    Materialeinsatz Steinkohle (kg)......109.000.000

    Luftschadstoffemissionen:
    Quecksilber (kg) ............................................ 18
    Nickel (kg) ..................................................... 84
    Distickoxid (kg) ...................................... 82.300
    Schwefeloxide (kg) .............................. 577.000
    Stickoxide (kg) .................................. 1.760.000
    Kohlendioxide (kg) .................... 2.320.000.000

    https://www.energy-charts.de/emissions_de.htm?source=coal&view=absolute&emission=co2&year=2017

    Und was die wenigsten Menschen wissen: Kohlekraftwerke sind neben Atomkraftwerken die größten Emitter an radioaktiven Abfällen. Der Urangehalt in der Asche/Schlacke liegt - je nach Herkunft - sogar über dem von Uranerz:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kohlekraftwerk#Radioaktive_Emissionen

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