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Kunst-Kultur-Soli-Aktion "Ich vermisse..., weil..."

„Ohne Kunst wird’s still“ hieß es in einer Kampagne, an der sich vor einigen Monaten zahlreiche Social-Media-Nutzer beteiligten. Inzwischen hat es fast den Eindruck, als würden wir beginnen, uns an diese Stille gewöhnen. Vergessen, was Kunst und Kultur vor der Pandemie für uns waren und täglich sein sollten: Horizonterweiterung, Gedankenimpuls, wertvoller Diskursbeitrag, Anlass zur kritischen Reflexion. Bereicherung. Irritation. Genuss. Ärgernis. Farbenvielfalt. Fröhlichkeit. Austausch. Kreativitätsgenerator. Gesprächsanlass. Gemeinsames Erleben. Und noch so vieles mehr. Sehr viel davon liegt nun seit Monaten brach – und diese Abwesenheit droht zur neuen Normalität zu werden. Wir netflixen auf der Couch, gewöhnen uns an ein Leben im Mikrokosmos, verlernen, die Irritation und Inspiration zu schätzen. Unser Solidaritätsempfinden, unsere Sehnsucht, unser Interesse erlahmen. Während die, die unsere Gesellschaft so lange offener, toleranter, sozialer und klüger gemacht haben, sich hilf- und nutzlos fühlen. Sie fangen an den Glauben daran zu verlieren, dass es noch einmal wieder anders werden könnte. Wie kann es uns gelingen, diese Situation aufzubrechen? Wie können wir unsere Wertschätzung aufrechterhalten, immer aufs Neue sichtbar machen, solidarisch und neugierig bleiben? Und damit unsere Gesellschaft vor Kulturlosigkeit schützen, wachsender Erstarrung im eigenen Gedankenuniversum vorbeugen, das ohne Irritationen immer selbstvergewissernder wird? Klar, wir haben eine Pandemie. Klar, Vorsicht ist vernünftig. Aber: Sind nicht auch die Dinge gesellschaftlich lebenserhaltend, die Musik, Film und Bühne mehr als alle anderen in unser Dasein tragen können? Spielt ihre Abwesenheit nicht jenen in die Hände, die das Leben auf simple Modelle und Einnahmen-Ausgaben-Rechnungen verknappen? Die zu Schwarz-Weiß-Mustern neigen? Und: Wäre nicht doch so einiges an Kultur möglich, wenn wir als Gesellschaft unsere Prioritäten anders setzen würden? Warum schließen Kinos und Theater als erstes und öffnen als letzte, trotz ausgefeilter Hygienekonzepte und indizierter geringer Übertragungsrisiken? Warum engagiert sich der Staat im Eventbereich viel weniger als bei der Rettung von Klimakillerfirmen (Stichworte: Flugreisen, Kreuzfahrten)? Wäre vielleicht auch in der Klubszene Einiges möglich, wenn sie uns so wichtig wäre, dass wir mit innovativen Konzepten, gemeinsamem Nachdenken und finanzieller Unterstützung gemeinsam an einer Ermöglichung arbeiten würden? Über die Bedeutung von Kultur ist theoretisch viel gesagt worden – lasst uns dafür sorgen, dass sie uns auch praktisch gegenwärtig bleibt. Lasst uns engagiert sein für diesen Bereich. Lasst uns die Vertretung von Kulturinteressen nicht bei den Künstler:innen belassen – wir als Publikum sollten zeigen, dass sie uns lebenswichtig sind und wir sie brauchen wie unseren täglichen Supermarkteinkauf. Damit wir nicht verlernen, was eine kulturvolle Gesellschaft ausmacht. Als kleinen Beitrag starten wir hiermit unser „ich vermisse…weil…“-Aktion: jeden Tag erinnern wir an eine Einrichtung oder an eine:n Künstler:in, die unser Leben gerade nicht in früher geschätzter Weise bunter, klüger und diverser machen kann.

Mitmacher:innen sind hochwillkommen: schickt uns Eure "Ich vermisse..., weil..."-Posts und Bilder - hier oder über unsere Social Media-Kanäle. Dort findet Ihr auch unsere täglichen Posts:

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