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Rückblick auf den hybrid-PolDo „Our House“

Etwa 40 Rostockerinnen und Rostocker waren es wohl, die am 14. Oktober 2021 bei unserer YouTube live-Veranstaltung zum Thema „Chancen für gemeinschaftliche Wohnprojekte im Rostocker Warnowquartier“ live zuhörten und mitdiskutierten. Jetzt, eine Woche später, haben die Veranstaltung mehr als 100 weitere Menschen im Nachhinein auf YouTube angesehen. Wer das noch tun möchte, findet den Mitschnitt hier: https://tinyurl.com/PolDo-OurHouse (verfügbar bis 14.2.2022).

Gemeinschaft vernetzen einmal anders
Ziemlich kniffelig war der technische Set-Up mit zwei Hauptredner:innen, einer Moderatorin und einigen weiteren Beitragenden im Möckelsaal sowie einer weiteren Hauptrednerin per Stream aus Tübingen. Hannes und Anne vom Arbeitskreis hatten mit Henning von Soziale Bildung e.V. etliche Stunden getüftelt, um das umzusetzen. Ein herzliches Danke für diesen super Support! Um 19 Uhr wurde es zum Start der Veranstaltung etwas kribbelig, doch nach wenigen Minuten lief dann der Stream auf YouTube. Die Teilnehmenden konnten mit dem online Tool fragt.jetzt Fragen in den Saal schicken.

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Bild: Unser Set-up für den hybriden PolDo im Möckelsaal (thx to Henning @ Sobi e.V.): Beamer mit Screen für Präsentationen und remote Rednerin, drei Stühle für Moderation und Redner:innen; zwei Kameras, ein Rechner für moderierten Live-Chat, einzelne Zuschauer:innen (Foto: Annemarie Schütz)

Aber worum ging es nun inhaltlich?!
Die Beauftragte für Wohnraum und barrierefreies Bauen der Universitätsstadt Tübingen, Julia Hartmann, portraitierte ihre Stadt als Inspiration für Rostock. Seit 2001 sind dort über 250 Wohnprojekte entstanden, in denen über 5000 Menschen selbst bestimmt zusammenleben. Anlass für die Kommune, auf gemeinschaftliche Wohnformen zu setzen, waren Anfang der 2000er Jahre vor allem explodierende Mieten und mangelnde Möglichkeiten zur Expansion aufgrund der Umgebung Tübingens.

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Bild: Der Blick hinter den Kulissen – von hier wurden die verschiedenen Ansichten zu einer ordentlichen Stream in YouTube gemixt (Foto: Annemarie Schütz)

Tübingen macht vieles richtig
Waren es zunächst vor allem Eigentümergemeinschaften, gibt es heute alle Formen gemeinschaftlichen Wohnens: als Mietgruppe bei einer kommunalen Wohnungsgesellschaften, gemeinschaftliche Eigentümer innerhalb einer neuen oder alten Genossenschaft, Gruppen im Mietshäusersyndikat und andere mehr. Die Tübinger Stadtverwaltung steht in ständigem Dialog mit Projektinitiativen, gibt Tipps, erfragt die Bedürfnisse der Gruppen und hat seit sage und schreibe 15 Jahren kein städtisches Grundstück mehr an private Investoren vergeben. Hartmann resümierte: „Heute sind Wohnprojekte für uns kein Wagnis mehr – und es macht ganz einfach unglaublich viel Spaß, diese Projekte entstehen zu sehen.“

Was gibt's Neues über das Rostocker Warnowquartier?
Lisa Tiedemann und Robert Strauß vom Fachbereich BUGA der Rostocker Stadtverwaltung stellten dann das Exposé für das WarnowQuartier vor, das parallel zur BUGA als innovatives Wohnquartier zwischen Osthafen und Dierkow entwickelt werden soll. Die Rostocker Bürgerschaft hatte Ende September über das Exposé entschieden. Hier findet Ihr das Exposé zum WarnowQuartier.

„Wir legen großen Wert darauf, dass hier ein klimaneutrales, autoarmes, diverses und grünes Quartier entsteht, in dem auch alternative Wohnformen ihren Platz haben,“ betonte Robert Strauß, Projektleiter beim Fachbereich BUGA, wo das Exposé erarbeitet wurde.

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Bild: Lisa Tiedemann und Robert Strauß vom Fachbereich BUGA der Hansestadt und Moderatorin Maria Schulz auf der Bühne (v.l.n.r., Foto: Stefanie Maack)

Fragen, Fragen, Fragen
Im Livechat sammelten sich bereits zahlreiche Fragen, und auch das kleine Publikum vor Ort beteiligte sich rege: Für wie viele Menschen schafft ein Projekt in Türingen in der Regel Wohnraum? – meist zehn bis 20 Wohneinheiten. Wie oft werden Vergabeentscheidungen der Stadt Tübingen von den unterlegenen Projekten angezweifelt oder beklagt? – bislang noch nie. Wie hoch wird das Warnowquartier über Normal Null der Unterwarnow liegen? – geplant sind drei Meter. Was ist gemeint, wenn im Exposé formuliert wird, dass Projekte in "das Quartier hineinwirken" sollen? - das bedeutet z.B. öffentliche Räume im Erdgeschoss wie Cafe, Laden, Gruppenräume. Mit ausreichend Zeit und genug Tiefe beantworteten alle Referent:innen jede der Fragen

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Bild: Beitragende und Zuschauende der Veranstaltung im Möckelsaal (Foto: Stefanie Maack)

Zwei Initiativen in/bei Rostock
Schließlich stellten sich zwei Wohnprojektinitiativen vor: Die Villa Sturmfrei e.V. möchte als Projekt des Mietshäusersyndikats ein Grundstück im WarnowQuartier bespielen und lädt alle zwei Monate zum Kennenlernbrunch ein. AZwanzig e.V. ist schon auf dem besten Wege, ein Haus im Rostocker Umland zu kaufen, braucht aber noch Direktkredite in Höhe von 40.000 €, um das zu realisieren.

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*Bild: Ein Mitglied der Wohnprojektinitiative Villa Sturmfrei stellt die Projektidee vor. *

Marco, unser Arbeitskreis-Sprecher fasste die Situation abschließend zusammen: „Jetzt gibt es in Rostock gute Perspektiven gemeinschaftliches Wohnen zu realisieren und neue Initiativen zu bilden - der Arbeitskreises Wohnprojekte wird dabei gerne unterstützen.“ Nach ziemlich exakt zwei Stunden rief unsere immer wieder tolle Moderatorin Maria dann in die Kamera: „Tschüss ins Internet!“

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Bild: Marco Frunzek, seit August Sprecher des Arbeitskreis Wohnprojekte (Foto: Stefanie Maack).

„Vielen Dank, ein Super PolDo“, „Sehr gute Veranstaltung“, „Dankeschön“ gab es im Livechat zu lesen. Das war sehr ermunternd, denn die bloße Anzahl an Zuschauer:innen war mit gut 20 registrierten Zuschauer:innen nicht ganz so hoch wie erhofft.

Ein echtes Treffen mit vielen echten Menschen wäre natürlich auch schöner gewesen als ein hybrides Treffen und wir hoffen sehr, dass wir uns bei der nächsten Veranstaltung auch mit vielen Menschen wieder face-to-face treffen können. Aber der Abend (und auch die Wochen davor) haben uns gezeigt: Menschen in Rostock suchen nach Möglichkeiten für Wohnprojekte; anders als bis vor wenigen Jahren nimmt die Stadt uns zunehmend ernst; und - last but not least - wir können als Gruppe auch anspruchsvolle Settings meistern! Wenn auch Du Deine Wohnprojektidee weiterbringen oder einfach nur unterstützen willst, komm doch mal zum Plenum – jeden zweiten Montag im Lindenhof. Die Termine und Adresse findet Ihr hier auf Stadtgestalten.

Die Veranstaltung fand im Rahmen des Politischen Donnerstags von Soziale Bildung e.V. statt. Finanzielle Unterstützung gab die Rosa-Luxemburg-Stiftung Mecklenburg-Vorpommern.

Hier kannst Du weiter stöbern:

Beitrag von Stefanie Maack

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