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Veranstaltung

Das Bündnis empfiehlt: Die betroffenen Geflüchteten des Pogroms in Rostock-Lichtenhagen 1992. Bericht aus einem Forschungsprojekt

Datum & Zeit

am 12. Juli 2022 von 17:15 Uhr bis 18:45 Uhr

Ort

Ulmenstraße 69, Haus 1, HS 323

„Roma aus Rumänien“ – so werden die im Sommer 1992 in der Lichtenhägener ZASt ankommenden Geflüchteten gemeinhin beschrieben. Sonst ist über die Menschen, welche erst ohne jegliche Versorgung vor dem Sonnenblumenhaus ausharren mussten und anschließend Ziel der tagelangen Angriffe wurden, nahezu nichts bekannt. Sowohl in der Forschung als auch in der medialen Bearbeitung und dem Gedenken an das Pogrom fehlen die Perspektiven und Geschichten dieser Hauptzeug*innen des Geschehens.
Dieser Umstand ist umso erschreckender, als das Fehlen ihrer Stimmen als Ausdruck einer bis heute ungebrochenen Kontinuität von rassistischen Machtverhältnissen verstanden werden kann. Die Geflüchteten wurden in der zeitgenössischen Berichterstattung fast ausschließlich über rassistische Stereotype beschrieben und in den öffentlichen Debatten der 1990er Jahren argumentativ als Verdinglichung des „Asylproblems“ genutzt.
Weil die meisten Betroffenen im Zuge der unmittelbar nach dem Pogrom einsetzenden Asylrechtsverschärfungen vermutlich alle Deutschland verlassen mussten oder abgeschoben wurden, gerieten sie zudem auch räumlich aus dem Blickfeld von Medien und Forschung.

Im Vortrag werden erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt des Dokumentationszentrums „Lichtenhagen im Gedächtnis“ präsentiert. Anhand von exemplarischem Material wie zeitgenössischen Dokumentationen, Interviews mit Zeitzeuginnen und Akten staatlicher Institutionen wird ein Einblick darin gegeben, welche Möglichkeiten und Grenzen verschiedene Quellengattungen für diese Rekonstruktionsarbeit bieten.
Thematisch geht es dabei um verschiedene Aspekte: Gründe und Bedingungen der Flucht von Rom
nja aus Rumänien, die Situation von Geflüchteten in Mecklenburg-Vorpommern Anfang der 1990er Jahre und die konkreten Auswirkungen von Asylrechtsverschärfungen und Abschiebungen auf Geflüchtete aus Rumänien.

Referierende:

Stefanie Oster und Johann Henningsen sind Mitarbeiter*innen des Dokumentationszentrum „Lichtenhagen im Gedächtnis“. Als Teil von Soziale Bildung e.V. wird das Dokumentationszentrum seit 2015 von der Stadt Rostock gefördert und arbeitet mit einem Archiv sowie Informations- und Vermittlungsangeboten zum Pogrom in Rostock-Lichtenhagen.
Mehr Informationen unter: lichtenhagen-1992.de

Format:

hybrid, im Rahmen der aktuell geltenden Hygieneregeln

Anmeldung:

via Mail an vielfalt@uni-rostock.de Johanna Schmidt, Vielfaltsmanagement

Perspektiven aus der Wissenschaft auf 30 Jahre Lichtenhagen 1992

Das Pogrom in Lichtenhagen 1992 fand als historischer Moment einen vielschichtigen, auch über Deutschland hinausreichenden Nachhall. Es stellt gemeinsam mit weiteren rassistisch motivierten Gewalttaten der frühen 90-er Jahre eine Zäsur dar.

Den 30. Jahrestag des Pogroms nimmt die Universität Rostock zum Anlass für eine interdisziplinäre Vortragsreihe. Im Sommersemester 2022 werden aktuelle Forschungsperspektiven auf Rostock Lichtenhagen 1992 präsentiert und dabei regionale mit überregionalen Perspektiven zusammengebracht.

Die insgesamt acht Vorträge beleuchten bisherige Leerstellen der Aufarbeitung der Ereignisse. Dabei verbindet die Ringvorlesung unterschiedliche Disziplinen und Perspektiven.

Hinweis:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

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