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Ökolandbau im Fokus von Großküchen

Der Ökolandbau stand im Fokus der BioRegionalen Tafelrunde des BUND Rostock am 17.11.22 im Ökohaus. Denn wie unser Essen auf dem Feld entsteht, macht einen großen Unterschied für Klima, Umwelt und Menschen. Der Ökologische Landbau ist besonders ressourcenschonend und am Leitbild der Nachhaltigkeit orientiert. Ökolandbau bedeutet Landwirtschaft, die nach festgelegten Kriterien überprüft und zertifiziert wird. Dabei stellt das EG-Biosiegel eine mögliche, EU-weit einheitliche Zertifizierung dar. Viele Betriebe lassen sich zusätzlich zum EG-Biosiegel nach weiteren, oft anspruchsvolleren Kriterien von Bioanbauverbänden wie Bioland, Naturland, Demeter oder Biopark zertifizieren.

„Obwohl in Deutschland über 10% der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet werden, ist in der Außerhausverpflegung - und dazu gehören Schulen und Kitas - nur 1% der Lebensmittel bio,“ betonte Dr. Christin Hannemann vom Verein laendlichfein e.V. Die Richtung sei jedoch klar bio, so Hannemann. Babynahrungsmittelhersteller, beispielsweise, kauften bereits ausschließlich Biorohstoffe ein. Der BUND Rostock setzt sich für einen stetig wachsenden Anteil von Zutaten aus ökologischer und regionaler Herstellung im Schul- und Kitaessen ein mit 20 % als Einstiegsanteil.

Was bedeutet bio – was leistet Ökolandbau konkret?

Simone Witzel, Agrarwirtin beim BUND Rostock, hielt einen Impulsvortrag zu der Frage „Was bedeutet eigentlich Bio?“ und erklärte vorab: „Der ökologische Landbau ist für die Gesellschaft von Vorteil, weil er viele Leistungen, die unsere Ökosysteme erbringen systematisch mitdenkt und dauerhaft erhält, während in der konventionellen Landwirtschaft häufig Schäden an den Ökosystemen entstehen.“ Sie präsentierte die Beiträge des Ökolandbaus zu einer nachhaltigen Ernährung vor, konkret:

Präsentation zur Bioregionalen Tafelrunde mit Vortrag von Simone Witzel (pdf):
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Ein reger und intensiver Austausch mit den Verantwortlichen von Rostocker Großküchen folgte.
Norbert Peitz, Bereichsleiter Dienstleistungen beim freien Kita- und Schulträger Institut Lernen und Leben e.V., konkretisiert: „Wir verstehen uns als Dienstleister für Kinder und ihre Eltern. Mit Fokus auf ihre Bedürfnisse entwickeln wir uns stetig weiter. Wenn also einerseits eine Bio-Quote anvisiert wird, entsprechen wir gern diesem Wunsch. Das bedeutet andererseits jedoch, an der Preisschraube drehen zu müssen. Kommunale Unterstützung in Form von Zuschüssen könnte hier Abhilfe schaffen. Das ILL betreibt unter anderem 16 Kitas in Rostock und bereitet in seinem Logistikzentrum in Bentwisch täglich mehrere Tausend Mahlzeiten zu.

Kitaträger sehen Zertifizierung und höhere Kosten als Herausforderungen

„Für uns besteht die größte Herausforderung aktuell in den Preissteigerungen“, betont Christin Tabel, Küchenleiterin bei der in Rostock ansässigen GGP-Gruppe, die täglich die Zubereitung von 750 Mahlzeiten verantwortet. Sie spricht damit für viele andere Großküchen und ergänzt: „Wir würden uns gerne mit anderen Küchen austauschen, die es geschafft haben, ohne Preissteigerung auf Bio-Zutaten umzusteigen.“

Peitz thematisiert seine Erfahrungen mit der Biozertifizierung von Großküchen, die er als zu aufwendig erlebt hat. Stefanie Maack wies darauf hin, dass auf Bundesebene eine neue Verordnung für die Außerhausverpflegung in Vorbereitung, die insbesondere die Zertifizierung von Küchenbetrieben deutlich vereinfachen und im nächsten Jahr verabschiedet werden solle. Christin Hannemann gab den Hinweis, dass Küchen, welche ausschließlich eigene Einrichtungen belieferten, Biozutaten auch ohne Bio-Zertifizierung als solche deklarieren dürften.

Resüme und Ausblick: Was steht an in der BioRegionalen Tafelrunde?

Pauline Backofen von der GGP-Gruppe resümierte die Tafelrunde: Es war wirklich interessant, denn die Zusammenhänge zwischen Landwirtschaft, Essen und Umwelt waren bislang für mich nur privat ein wirkliches Thema. Entscheidend sei weiterhin die Frage, wie man Bio in der Großküche bezahlen könne.

Die nächsten BioRegionale Tafelrunden findet am 8. Dezember 2022 um 15:30 Uhr statt. Dort stellen sich Akteurinnen aus MV vor, die Kitas, Schulen und Kommunen bei solchen und anderen Fragen der Umstellung auf nachhaltigere Verpflegung beraten. Bei Tafelrunde am 18. Januar 2023 wird Magdalena Krakowiak vom Biocaterer Gran Gusto aus Greifswald von ihren Erfahrungen berichten.

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