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Meet the Rebels - Teil 2

Meet the Rebels

In der Reihe "Meet the Rebels" wollen wir der unpersönlichen Diskussion der (sozialen) Medien eine persönliche Note entgegen setzen. Abseits von politischen Grabenkämpfen und Frontbildung (denn das klingt alles so schlimm nach Krieg) wollen wir euch das wichtigste an der Rebellion vorstellen, den/die einzelne(n) RebellIn.
Extinction Rebellion ist dezentral und offen für Alle, die sich mit unseren Prinzipien identifizieren können. Doch vor Allem ist die Rebellion divers in ihren Emotionen, Gedanken und Eindrücken, und das ist eine wunderbare Sache. In mehreren Episoden möchten wir deshalb unsere Gedanken mit euch teilen.
Vielleicht wird dadurch euer Durst nach Positionierung nicht gestillt, aber hey, wir sind alle nur Menschen, im Zweifelsfall, fragt einfach nach.

Episode 2 - CARO

Ich bin Caro, ich bin seit diesem Jahr bei XR aktiv. XR ist nicht nur eine Klimabewegung für mich. XR ist auch eine Bewegung, die versucht die Gewaltstrukturen, die unseren sozialen Rahmen bilden aufzubrechen. Um eine globale Klimagerechtigkeit zu erreichen liegen noch viele Schritte, auf vielen Ebenen vor uns.

Wir sind eine junge Bewegung. Unsere Methoden sind Zuhören, reflexives Lernen, permanente Anpassungen des Gelernten. Unsere Grundlagen sind Herz, Verstand und Motivation. Die Empathie ist ein wesentlicher Anker unserer Bewegung. Jede Stimme ist prinzipiell wichtig.

Dann ein Statement aus England: Roger Hallam, der Holocaust, Klimakatastrophe, Leid, Schmerz – Fassungslosigkeit. Was ist passiert? Wer sind wir? Was sind wir? Warum ist plötzlich eine Stimme wichtiger als tausend andere?

Der Holocaust ist eines der schlimmsten Kapitel in unserer Menschheitsgeschichte. Es ist ein Ereignis, dass nie vergessen werden darf. Ein Mahnpfeiler in der Geschichte. Es ist mir nicht möglich mich bis in die letzte Zelle in diese Zeit einzufühlen, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich das aushalten kann. Trotzdem sollten wir es von Zeit zu Zeit versuchen, um uns bewusst zu machen, welche Potentialitäten die Menschheit hat. Ich denke das hat Roger Hallam verpasst. Hätte er den Schmerz gespürt, hätte er das Leid der Opfer gefühlt, hätte er seine Worte mit Bedacht gewählt.

Unsere Welt ist komplex, unsere Welt ist an so vielen Enden grausam, unsere Welt scheint aus atomisierten Einzelakteuren zu bestehen, die keinerlei Verbindung haben. Vielleicht ist es besser nicht immer alles zu fühlen. Vielleicht ist es Schutz. Vielleicht die einzige Möglichkeit am Leben zu bleiben. Oder? Unsere Welt ist vielfältig, unsere Welt hat atemberaubende Schönheit zu bieten, wir sind alles Menschen. Es gibt die Liebe. Vielleicht zeigt uns dieser Vorfall, wie wichtig es ist alles zu fühlen. Vielleicht ist es die Rettung. Vielleicht ist es alles was noch bleibt, weil wir alles andere schon versucht haben.

Ich habe so lange überlegt was nun zu tun ist. Welche Argumente kann ich bringen? Welche heroischen Taten können uns retten? Am Ende habe ich zwei Sachen: Meine Worte und meine Emotionen.

Meine Worte, die nicht mal ansatzweise zum Ausdruck bringen können, wie es in mir aussieht, wie sehr ich mir wünsche, dass die Menschheit aufhört sich zu trennen, zu bekämpfen, zu hassen. Sie sind ein abstrakter Ausdruck meiner Innenwelt.

Meine Emotionen, die mich verbinden, die mir die Kraft geben weiter zu machen. Meine Emotionen, die jede Grenze, jede imaginäre Mauer, jede Blockade umfließen. Meine Emotionen, die so oft klüger sind als ich.

Bevor ich zu XR gekommen bin, habe ich diese Bewegung beobachtet. Über ein halbes Jahr. Ich war auf Demonstrationen, ich habe viel gelesen, vereinzelt Leute kennengelernt, ich war in Berlin. Die Charaktere, die ich kennengelernt habe, haben mich umgehauen: So viel Herz, so viel Geist, so viele diverse Fähigkeiten, so viel Menschlichkeit. Idealisten mit einer Vision – oft leise und zart, um Neugierige nicht zu verschrecken. Offen, tolerant, inklusiv. Nicht gleichbedeutend mit einer Wertelosigkeit. Unsere Werte sind stark, bunt, verletzlich, aber unzerstörbar.

Ich will von niemanden verlangen unsere Bewegung unreflektiert anzunehmen – Nein! Auf keinen Fall. Das wäre genau das, was wir nicht sind. Aber ich möchte euch bitten Respekt und Würde uns gegenüber zu zeigen, so wie wir es jedem anderen zukommen lassen. Ihr habt Bedenken? Bitte kommt zu uns, redet mit uns, lasst uns lernen und entscheidet dann. Ihr habt keine Zeit dafür? Dann sagt bitte solange nichts Schlechtes bis ihr alle Fakten kennt. Die ständige Fragmentierung der Menschen, die das gleiche Ziel vor Augen haben, ist das größte Problem der Weltbevölkerung. Unser Wunsch uns zu trennen, um vielleicht nicht zu viel zu fühlen. Unser Wunsch uns zu separieren, um uns in größerer Sicherheit zu wiegen. Bitte – vom ganzen Herzen BITTE - lasst dies nicht ein weiteres Mal geschehen.

Vielen Dank für eure Zeit und Aufmerksamkeit.
In Liebe Caro.

Tags: #MeetTheRebels, #XRLeiseStimmen

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